Entstehung
Beobachtung
Peking

Der Rest meiner Reise ist schnell erzählt. Der Flug verläuft ohne Probleme, Otto und ich kommen sicher in Peking an. Sein Gepäck ist schon eingecheckt bis nach Österreich, mein Gepäck geht bis nach Peking, weil ich noch 2 Nächte in Peking bleibe.

Es ist ja mittlerweile der 3. August, in wenigen Tagen werden in Peking die Olympischen Sommerspiele 2008 eröffnet. Das wird auch der Grund sein, warum es am Flughafen in Peking über eine Stunde dauert, bis mein Gepäck endlich auf dem Förderband in der Flughafenhalle ankommt.

Otto und ich verabschieden uns sehr herzlich. Ich nehme mir ein Taxi und fahre zum Hotel, checke ein und mache mich ein wenig frisch. Es geht auf den Abend zu, ich habe richtig Heißhunger auf ein ordentliches Stück Fleisch nach einer Woche chinesischem Essen. Die Hotelrezeption empfiehlt mir das deutsche Restaurant „Der Landgraf“, das auch einfach mit einem Taxi zu erreichen ist.

Mmmmhhhh, hier schlemme ich so richtig: Kalbschnitzel mit Bratkartoffeln und gerösteten Zwiebeln, dazu echtes Brot, Bier und Wodka. Natürlich lerne ich auch hier schnell nette Menschen kennen. Am Nachbartisch sitzen 2 Australier, die das chinesische Schwimmteam trainieren. Wir plaudern eine Zeit miteinander.

Dann fahre ich mit dem Taxi wieder zurück zum Hotel und erkundige mich, was ich denn so am Abend unternehmen kann. Mir wird HouHai empfohlen, wo ich auch wieder mit dem Taxi hinfahre.

Und es lohnt sich. Für Touristen in Beijing ist HouHai ein Ort, den man auf keinen Fall versäumen darf. Es ist ein schönes Seegebiet, umgeben von alten Hutongs, traditionellen Wohnhöfen sowie modernen Bars und Restaurants, eine perfekte Kombination von Tradition und Moderne.

Ich wandere um den gesamten See herum, beobachte wieder größere Gruppen von Chinesen, die ihrem öffentlichen Tanzsport nachgehen, schaue Malern über die Schultern, lassen mich einfangen von der Live-Musik, die aus den Bars und Restaurants schallt.

Fasziniert schaue ich 3 Männern und 2 Frauen im Alter von 20 - 40 Jahren zu, die Fußfederball spielen. Dieser Federball ist etwas schwerer, hat eine stärkere Feder und seine Schlagseite ist nicht rund, sondern flach. Er wird in die Luft geworfen, wer ihm am nächsten ist, versucht, ihn mit dem Fuß zu treffen und einem anderen Spieler zuzuspielen. Ziel ist, ihn möglichst lange in der Luft zu halten.

Die Chinesen bemerken meine Neugier, öffnen ihren Kreis und geben mir per Handzeichen zu verstehen, ich möchte doch mitmachen. Ich finde das einfach klasse, wie selbstverständlich die Chinesen mit ihren Gästen umgehen. Ich lasse mich nicht lange bitten und bin sofort im Spiel integriert. Und ich stelle mich auch überhaupt nicht dumm an, das Spiel macht mir viel Spaß; auch die Chinesen haben Spaß mit mir. Natürlich ist es auffällig, dass ein Europäer unter all den Chinesen mittenmang dabei ist. So habe ich bald das Gefühl, der meist fotografierte Mann in HouHai zu sein.

Nach einer halben Stunde bedanke ich mit einer tiefen Verbeugung und einem freundlichen Lächeln und verlasse wieder das Fußfederballspiel. Mit einem Taxi fahre ich zurück zum Hotel, nehme an der Bar noch einen Schlummertrunk zu mir und falle hundemüde, zufrieden ins Bett. Denn am nächsten Tag, meinem letzten Tag, möchte ich ja noch einiges von Peking sehen.

Doch daraus wird leider nichts. In der Nacht macht sich mein Magen bemerkbar, ich hätte doch nicht „deutsch“ essen gehen sollen. Am nächsten Morgen schleppe ich mich noch so gerade eben zum Frühstück und danach wieder ganz schnell ins Bett. Die nächsten Stunden verbringe ich in einem Wechselspiel zwischen Bett und Toilette. Meine Reiseapotheke bringt keine Linderung. So langsam mache ich mir Sorgen. Denn ich muss ja am nächsten Tag reisfähig sein, mein Rückflug nach Deutschland steht an.

Auch das Hotelpersonal kann mir nicht helfen, empfiehlt mir nur, ich möchte doch zu einem Krankenhaus fahren. Ob denn nicht ein Arzt in das Hotel kommen kann, frage ich, Nein, das würde es in China nicht geben, sagt man mir.

Ich schleppe mich bis zum Nachmittag hin; der Zeitunterschied nach Deutschland beträgt 6 Stunden. Ab 14:00 Uhr chinesischer Zeit, das ist 8:00 Uhr deutsche Zeit, rufe ich meine Frau an und spreche mit dem einen oder anderen Arzt in Deutschland, den ich so kenne. Niemand weiß so richtig weiter. Gegen 17:00 Uhr ruft meine Frau dann von Deutschland in der deutschen Botschaft in Peking an. Dort läuft nur ein Tonband. Aber hierüber erhält sie endlich die Telefon-Nummer von SOS International, einer Ärzteorganisation, die über die gesamte Welt verteilt ist und sich um krank gewordene Touristen kümmert.

Nun passiert etwas, das ich mir bis heute nicht richtig erklären kann. Meine Handy, es ist ein Blackberry, klingelt. Ich schaue auf das Display und sehe eine amerikanische Telefonnummer, die mit 001… beginnt. Überrascht nehme ich den Anruf entgegen. Noch überraschter bin ich, dass ich auf der anderen Seite meine Frau habe. „Hey“ sage ich, von wo aus rufst du denn an?“ – „Natürlich aus Deutschland von meinem Handy. Wieso fragst du?“ Ich schaue wieder auf das Display und sehe immer noch diese amerikanische Telefonnummer. „Na“ sage ich, „es erscheint hier im Display nicht deine Telefonnummer, sondern irgendeine amerikanische Telefonnummer.“ Sie erklärt „Du, ich habe direkt vorher von meinem Handy aus die deutsche Botschaft in Peking angerufen. Dort habe ich die Telefonnummer von SOS International erhalten.“ Das ist mir jetzt auch alles wichtiger als zu diskutieren, warum sich hier plötzlich eine amerikanische Telefonnummer zwischengeschaltet hat, obwohl es mich natürlich nachdenklich macht. Wer schaltet sich hier ein?

Aber es ist mir egal, ich will schnell fit werden. Ich rufe SOS International an; eine Stunde später ist eine Ärztin bei mir, untersucht mich und gibt mir einige Medikamente. Die schlagen auch ziemlich schnell an. Meine Frequenz, zur Toilette zu laufen wird schnell länger, ich bekomme in der Nacht sogar einige Stunden Schlaf.

Reise Dunhuang - Peking
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