Entstehung
Beobachtung
Im Camp

Im Camp

Um 21:10 Uhr kommen wir dann im Camp an. Wei Zi Xia ist ein kleines Oasendörfchen auf einer Hochebene der Wüste Gobi. Auf unserem Weg von Turfan nach Wei Zi Xia sind wir von der Taklamakan-Wüste durch das Gebirge zu den Ausläufern der Wüste Gobi gelangt. Die Straße führt uns bis auf 2.700 m hoch über grüne Hochebenen jetzt zu dieser Wüsten-Hochebene auf 1.100 m. Und hier liegt nun Wei Zi Xia.

Das Militär hat hier für 600 Gäste aus aller Welt ein Zeltlager aus dem Boden gestampft. Dafür wurde die Grundschule des Dorfes für einige Tage geschlossen und auf dem Gelände der Grundschule eben das Zeltlager errichtet. So stehen uns auch die sanitären Einrichtungen der Grundschule zur Verfügung. Doch dazu nachher mehr.

Die Mitglieder unserer Reisegruppe hatten ja die Reise entweder bei A-Reisen in Deutschland oder bei XY-Reisen in Österreich gebucht. Beide bedienen sich hier in der Camp-Organisation des Unternehmens Eclipse-City, die die Betreuung für 80 SoFi-Enthusiasten übernommen haben. Die Leitung von Eclipse-City hat vor Ort Silke, ihre Stellvertreterin ist die Chinesin Xiao Xiao, die mit ihren Kolleginnen in gelben Eclipse-City-T-Shirts mit Megaphonen durchs Camp geht und versucht, die Gäste für den Camp-Teil von Eclipse-City einzusammeln.

Bereits beim Verlassen des Busses erklärt uns Martan mit nur einem einzigen Satz „4 people in one tent – 4 Leute in ein Zelt“. Wir haben dafür nur ein ungläubiges „Hä“ übrig. Zuerst einmal wandern wir mit unserem gesamten Gepäck vom Bus zum zentralen Zelt von Eclipse-City und stehen vor Silke, die uns freundlich eine Einführung in die Camp-Organisation gibt und dann die Belegung der Zelte vornimmt. Und hier bestätigt sich genau das, was wir schon im Bus vermutet hatten und gerade nicht verstehen wollten, als es uns auch Martan sagte. Unser Reiseleiter Herr Sechs hatte bereits einen Zettel mit der Zelt-Belegung, sich aber wohl nicht getraut, uns diese Informationen zu geben. Denn nun stellt sich heraus, dass wir alle in 4-Personen-Zelte untergebracht sind. Auch alle Allein-Reisenden, die ausdrücklich Einzel-Unterbringung gebucht haben, sollen mit drei anderen Mitreisenden sich ein 4-Personen-Zelt teilen.

Wir versuchen freundlich, Silke auf unsere Buchungen hinzuweisen und fordern natürlich auch ein Einzel-Zelt. Silke hat zwar Verständnis für unsere Situation, sieht sich allerdings außer Stande, die Zeltbelegung zu ändern. Es steht eben nur eine bestimmte Anzahl von Zelten für eine bestimmte Anzahl von Gästen zur Verfügung.

Wir versuchen, auf Herrn Sechs als unseren Reiseleiter einzuwirken, machen ihn darauf aufmerksam, dass er ein nicht feines Spiel mit uns gespielt hat, weil er schon im Bus wusste, dass wir alle in 4-Personen-Zelte untergebracht werden sollen, sich aber nicht getraut hatte, es uns zu sagen. „Nehmt die Zelte, wie sie sind, ich kann das nicht ändern“ Basta, das ist also unser Herr Sechs, wie er sich für seine Gruppe einsetzt. „Hey, Wolfgang“ sage ich, so heißt Herr Sechs mit Vornamen. „ Du bist unser Reiseleiter und ich erwarte schon, dass du dich hier für uns einsetzt“ – „ Ich bin nicht dein Reiseleiter, Andreas. Du hast bei A-Reisen gebucht und nicht bei XY-Reisen. Ich bin nur der Reiseleiter der Mitreisenden, die bei XY-Reisen gebucht haben“ entgegnet er barsch. Und ich bin bass erstaunt. Eine solche Unverschämtheit habe ich nicht erwartet. Wolfgang Sechs war uns allen, die bei A-Reisen und XY-Reisen gebucht hatten, als unser aller Reiseleiter schriftlich angekündigt. Und kaum treten Probleme auf, fühlt er sich für einen Teil der Reisegruppe nicht mehr verantwortlich, lässt uns im Regen, oder besser im trockenen Wüstensand stehen. Wolfgang Sechs bleibt beinhart, setzt sich nicht für uns bei der örtlichen Camp-Organisation ein. Gefrustet ziehen wir erst einmal zum Restaurant-Zelt, um unsere leeren Mägen wenigstens ein wenig zu füllen. Ebenso gefrustet sende ich per Handy eine Mail über den tatenlosen Herrn Sechs an A-Reisen. Ich weiß, dass die Verantwortlichen von A-Reisen ebenfalls irgendwo hier in China zur Sonnenfinsternis weilen und per Mail erreichbar sind.

Im Laufe des Abends bekommt Otto mit, dass Silke doch noch ein Zelt aufgetan hat, das sie nicht mit 4 Frauen, sondern mit 2 Frauen, die Einzelunterbringung gebucht hatten, belegt. Natürlich sind Otto und ich gleich bei Silke und intervenieren freundlich. Und Silke macht es schließlich auch für uns möglich. Otto und ich werden uns ein 4-Personen-Zelt teilen, das wir auch schnell in Beschlag nehmen. Alle diese Zelte haben im linken und rechten Teil je 2 Betten hintereinander stehen. Beide Teile sind in der Mitte durch eine Plane geteilt. Elektrisches Licht ist in die Zelte hineingelegt und Verteiler-Dosen zum Laden von unserem elektrischen Equipment.

Otto und ich sind zufrieden, richten uns häuslich ein. Schnell stellen wir fest, dass die Betten eigentlich nichts anderes sind als Holzgestelle mit einer knüppelharten Holzauflage, die wir versuchen, mit den Decken der freien Betten wenigstens ein ganz klein wenig weicher zu gestalten.

Schließlich treffen wir uns mit einigen Mitreisenden aus unserer Gruppe und gehen durch die nächtliche Dunkelheit an den Rand der Oase und betrachten diesen faszinierenden dunklen sternenklaren Nachthimmel, wie ihn nur die Wüste bieten kann. Es ist 1:00 Uhr nachts und wir werden zwar immer wieder gestört vom Licht vorbeifahrender Autos, aber dennoch tut sich uns ein traumhafter Himmel auf, wie man ihn nur ganz selten zu sehen bekommt. Ich versuche, meinen Mitreisenden ein wenig Orientierung am Sternenhimmel zu geben.

Andreas erklärt die markanten Sternbilder.mp3 [1.309 KB]

Gegen 1:30 Uhr gehen wir zu unseren Zelten zurück und machen uns bettfertig. Aber es wird eine unruhige Nacht. Soldaten patrouillieren immer wieder durchs Zeltlager und so gegen 6:00 Uhr werde ich auch von Aktivitäten im Küchenzelt geweckt. Das Küchenzelt befindet sich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Und außerdem ist heute E-Day, Eclipse-Day. Natürlich sind wir alle aufgeregt.

Anreise zur SoFi
Die Zeit bis zur SoFi