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 | Die SoFi |
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Die SoFi
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Schnell sind wir auf dem Beobachtungsfeld. Und hier, unter der brütenden Wüstensonne, fällt unsere Gruppe vollkommen auseinander. Bis hierhin haben wir alles gemeinsam erlebt, haben Spaß gehabt und viel gelacht. Aber eine SoFi, ein emotional tief bewegendes Naturschauspiel, möchte jeder für sich erleben.
Ich baue mich mit meiner Ausrüstung auf einer kleinen Erhebung auf. Meine Ausrüstung besteht aus
- einer digitalen Spiegelreflexkamera Nikon D50 mit einem Objektiv Sigma 70 – 300 mm D f4 - 5,6 DG,
- einem Sony-Camcorder, mit dem ich 30 Minuten um die totale Phase herum nicht die Sonne, sondern den Beobachtungsort aufnehmen werde, um zu dokumentieren, was sich während der Finsternis am Beobachtungsort abspielt,
- einem Sony-Voice-Recorder, den ich während der SoFi mitlaufen lasse, um auch die gesamte Akustik, das gesprochene Wort, Hintergrundgeräusche etc. aufzunehmen.
Mein Ziel ist nicht nur, Bilder der SoFi aufzunehmen, sondern auch vor allem alles aufzuzeichnen, was sich im Zusammenhang mit der SoFi am Beobachtungsort abspielt. Eine SoFi ist ein faszinierendes Naturschauspiel, das uns immer wieder vollkommen in den Bann zieht. Die emotionalen Elemente sind so tiefgehend, dass sie nicht mehr zu beschreiben sind. Scheinbar produziert der Körper bei einem solchen Naturschauspiel derart viel Adrenalin und im Kopf auch Endorphin und andere Glückshormone, dass man zwischen höchster Euphorie und tiefster Ehrfurcht hin- und hergerissen ist.
Ich baue mich also an meinem Beobachtungsort auf, teste meine Gerätschaft durch und habe viel Zeit, mich auch innerlich auf die SoFi vorzubereiten. Ich setze mich auf meinen Hocker, trinke schlückchenweise das mittlerweile kochendheiße Mineralwasser und lasse die Seele baumeln. Mehr als eine halbe Stunde genieße ich die Zeit für mich allein, genieße diese phantastische Hochebene der Wüste Gobi mit den umliegenden Gebirgszügen.
Meine SoFi-Kollegen verteilen sich weit über die Hochebene. Jeder hat seinen individuellen Beobachtungsplatz. Mir am nächsten sind Tony und Margret, ein Rentnerehepaar aus der Schweiz. Es ist noch genug Zeit bis zum Beginn der partiellen Phase der SoFi. Also mache ich mich auf den Weg zu Tony und Margret. Gerade Tony und ich hatten in den zurückliegenden Tagen viel Spaß und oft herzhaft miteinander gelacht. Und so bittet Tony mich auch sogleich, gemeinsam mit ihnen die SoFi zu erleben.
Gesagt, getan. Ich ziehe mit meiner gesamten Ausrüstung um und baue mich bei Tony und Margret neu auf. Auch Gaby gesellt sich schließlich zu uns. Sie ist bisher hier auf der Hochebene von einem Beobachtungsplatz zum nächsten gewandert; jetzt bleibt sie bei uns hängen.
Natürlich reden wir jetzt und quatschen und sind lustig – 2 Deutsche (Gaby und ich) und 2 Schweizer (Tony und Margret) auf einer Hochebene der Wüste Gobi in China nahe der Grenze zur Mongolei, das muss doch ein tolles Gespann für die SoFi sein. Ich mache noch eine spaßige Bemerkung, dass kein Österreicher dabei ist (Herr Sechs ist Österreicher) und prompt erzählt Tony einen Österreicher-Witz.
Tony erzählt einen Österreicher-Witz.mp3 [266 KB]
Die Spannung steigt. Es geht auf 18h 09m 06sec zu, dem Zeitpunkt des ersten Kontaktes (die Mondscheibe berührt die Sonnenscheibe). Die Ausrüstung wird überprüft, Probeaufnahmen werden geschossen. Und dann ist es soweit. "Da. Da passiert es. Etwa auf 3 Uhr an der Sonnenscheibe! Oder doch nicht? Doch, ja, jetzt sehe ich es auch". Erkennbar hat der Mond begonnen, sich vor die Sonne zu schieben. Wir alle betrachten fasziniert mit unseren SoFi-Brillen diesen Moment. Jubelrufe und Applaus tönen über die Hochebene.
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Ich beginne mit meinem photographischen Programm. Alle 5 Minuten schieße ich ein Foto von dieser partiellen Phase der SoFi. Kamera und Objektiv schütze ich mit einer speziellen Sonnenschutzfolie der Fa. Baader. Bei einer Brennweite von 300 mm wähle ich in der manuellen Beleuchtungssteuerung eine Belichtung von 1/1000 s bei Blende 1/8 und einer Empfindlichkeit von ISO 200. Zuvor habe ich mit der Autofokusfunktion automatisch auf die Sonne fokussiert und dann den Fokus in der manuellen Steuerung eingefroren.
Die partielle Phase ist ziemlich unspektakulär. Alle 5 Minuten dokumentiere ich diesen Teil der SoFi mit einem Foto. Spektakulär dagegen scheinen die Wolken zu werden, die sich vereinzelt am Himmel gebildet haben. Neben all den Erlebnissen der letzten Tage sind sie jetzt unser intensivstes Gesprächsthema. Wird es gut gehen?
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Aber richtig spektakulär wird es so langsam, als es ca. 30 Minuten vor dem 2. Kontakt (Mondscheibe schiebt sich ganz vor die Sonne) merklich kühler wird. Auch das Licht ändert sich. Einige berichten, es wird weicher, milchiger. Andere wiederum sagen, so wie ich auch, es wird klarer und kontrastreicher. Die Wüste wird in ein langsam dunkler werdendes Licht getaucht, die Schatten werden immer schwächer.
Die Zeit schreitet weiter voran. Es kühlt mehr und mehr ab. Durch unsere SoFi-Brillen erkennen wir die Sonne nur noch als Sichel.
Doch dann geschieht das Unfassbare. 5 Minuten vor dem 2. Kontakt schiebt sich eine Wolke vor die Sonne. Wir stehen mitten im Wolkenschatten, der wiederum eingebettet ist von diesem einmaligen abgedunkelten Licht aus dem letzten Teil der partiellen Phase der SoFi. Es wird geschimpft, geflucht. Von überall her hören wir aufgeregte Diskussionen. Menschen bauen hastig ihre Ausrüstung ab und laufen aus dem Wolkenschatten heraus. Auch wir diskutieren. Was tun? Wir entscheiden uns, das Risiko einzugehen und nicht umzuziehen.
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Und es war genau richtig. 2 Minuten vor dem 2. Kontakt verzieht sich die Wolke und gibt einen phantastischen Blick auf die fast verdunkelte Sonne frei. Die Hochebene ist in ein fast irreales schattenarmes dunkles Licht getaucht.
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Die Spannung steigt weiter. Der große Moment steht unmittelbar bevor. 30 sec vor dem 2. Kontakt nehme ich die Sonnenschutzfolie vom Objektiv und ändere die Belichtungszeit auf 1/400 s. Während der totalen Phase werde ich nichts ändern. Die Kamera löse ich aus mit einer kabellosen Fernbedienung. Ich will mich nicht zum Knecht meiner Technik machen; ich will die SoFi genießen, erleben, verinnerlichen ... Unglaublich, in diesem Moment schreit ein Esel in der Oase auf. Und kurz darauf kräht ein Hahn.
Doch worauf soll ich achten? Auf die Faszination des letzten wegbrechenden Sonnenstrahls? Oder schaffe ich es diesmal, den heraneilenden Mondschatten zu sehen? Ich entscheide mich für den Mondschatten, der aus Richtung Nordwesten mit mehreren tausend km/h auf uns zugeeilt kommen soll. Dadurch bekomme ich allerdings das Wegbrechen des letzten Sonnenstrahles nicht mit. Diesen Moment fange ich ein, als ich ca. 30 s vor der totalen Phase die Sonnenschutzfolie vom Objektiv wegnehme und die Belichtungszeit auf 1/400s verlängere. Nach Nordwesten schauend drücke ich immer wieder auf die kabellose Fernbedienung meiner Kamera, um jede Phase der Sonnenfinsternis aufnehmen zu können.
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Es überrascht mich vollkommen, absolut unerwartet. Ich dachte, ich würde einen Schatten sehen. Aber was da passiert, übersteigt mein Vorstellungsvermögen. Da kommt ein dunkler Raum auf mich zugelaufen. Mystisch, gespenstisch, ein dunkler Raum, ohne Wände und Decke. Er bewegt sich nicht im kontinuierlichen Tempo auf mich zu. Nein, mit riesigen Schritten ist er plötzlich da. Und plötzlich bin ich in ihm, in diesem dunklen Raum; hat er mich gefangen genommen.
Jubelschreie reißen mich aus meiner Gefangenheit. Ich schaue zum Himmel auf. Und da steht sie, die schwarze Sonne. Meine Gefangenheit wechselt schlagartig über in einen Freudentaumel. So habe ich sie noch nie gesehen, so pechschwarz, das tiefste Schwarz, das ich mir überhaupt vorstellen kann. Und kristallklar.
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Da steht am Himmel eine schwarze Sonne. Sie ist umgeben von einem gleißend hellen Ring. Eine tolle Korona hat sich fächerartig im Bereich 3 - 5 Uhr und 9 - 11 Uhr an der schwarzen Sonne ausgebildet, die milchig weiß in einen dunkelblauen kristallfarbenen Himmel ausdünnt.
Und der Himmel ist tiefst dunkelblau, zur schwarzen Sonne hin leicht heller werdend im dunklen Blau. Um uns herum am Horizont hat sich ein goldgelber Saum gebildet, der uns das Gefühl gibt, als ob wir mitten auf der Bühne eines grenzenlosen Ereignisses stehen.
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Kristallklar ist die Dunkelheit. Planeten und Sterne sind am Himmel erkennbar. Auch die Sonne weist eine Protuberanz auf, die wir deutlich erkennen können.
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Die Zeit eilt vorwärts. Uns bleibt gar nicht genug Zeit, all das zu erfassen, zu verstehen, was wir in dieser SoFi erleben. Denn von dort, wo die Dunkelheit auf uns zugerannt kam, naht jetzt die Helligkeit. Aber es ist anders als vor 2 Minuten. Die Helligkeit kommt, ja, sie kommt. Aber es ist nicht mystisch, es ist auch nicht befreiend. Sie naht einfach.
Und dann ist es vorbei, schlagartig. Weil sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, empfinden wir den ersten Sonnenstrahl nicht als einen um den Mondrand herum brechenden Sonnenstrahl, sondern als ob jemand das Licht angeknipst hat.
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Wir sind benommen von der Helligkeit, müssen erst einmal begreifen, dass es vorbei ist. Aber auch hier reißen uns die Jubelschreie nach dem dritten Kontakt (Mondscheibe schiebt sich aus der Sonnenscheibe heraus), die über die Hochebene gehen, aus der Befangenheit. Schnell setze ich die Sonnenschutzfolie wieder vors Objektiv.
Dann fangen wir an zu reden, erzählen uns begeistert von unseren Eindrücken. Auch stellen wir wieder fest, wie die Wüste in dieses einmalige schattenarme Licht eingebettet wird. Aber es beeindruckt uns nicht mehr so stark wie zu Beginn der SoFi.
Auch hier beginne ich wieder, mein fotografisches Programm von der zweiten partiellen Phase der SoFi abzuarbeiten. Doch schon nach wenigen Minuten schieben sich Wolken vor die Sonne, die bis zum Ende, also bis zum 4. Kontakt (Mondscheibe berührt Sonne letztmalig) die Sicht auf die Sonne bis auf wenige Momente versperren.
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Margret, Gaby und Tony verlassen mich deshalb alsbald und gehen zurück ins Camp. Ich bleibe noch in der Hochebene der Wüste Gobi für mich allein, tief beeindruckt von dem gerade Erlebten. Ich will noch die Zeit bis zum vierten Kontakt abwarten, egal, ob er hinter den Wolken stattfindet, oder ob ich ihn sehen kann. Aber den Sonnenuntergang möchte ich nicht mehr erleben. Denn ich bin mittlerweile so gut wie allein. Und im Dunkeln möchte ich nicht durch die Wüste zum Camp stapfen.
Hier noch einmal die von der Camp-Leitung mitgeteilten offiziellen Daten der SoFi
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Breite
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43° 27‘ 47“ N
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Länge
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94° 50‘ 29“ E
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1. Kontakt
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18:09:05
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30°
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267°
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2. Kontakt
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19:07:44
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19°
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277°
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Eclipse-Mitte
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19:08:45
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3. Kontakt
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19:09:42
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19°
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277°
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4. Kontakt
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20:04:14
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9°
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286°
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Offensichtlich ist, dass diese Zeiten um ca. 15 s später liegen als die von mir registrierten Zeiten. Das kann mit der Ungenauigkeit meiner Zeitnahme zusammenhängen. Erst zu Hause konnte ich die interne Kamera-Uhr wieder mit der Weltuhr am PC abgleichen.
Kurz nach dem vierten Kontakt verlasse ich meinen Beobachtungsort und begebe mich wieder ins Camp.
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Die Zeit bis zur SoFi Der Abend nach der SoFi
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