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Beobachtung
Besichtigungsprogramm Turfan - Die Gräber von Asta

Die Gräber von Astana

Von Gaochang begeben wir uns auf den Weg zu den Gräbern von Astana.

Astana heißt im Uigurischen Hauptstadt; Karakhoja war ein uigurischer Held, der die Menschen vor einem grausamen Drachen beschützte.



Die Gräber liegen 42 km südöstlich von Turfan und 6 km entfernt von der historischen Stadt Gaochang. Sie sind der Friedhof der Bürger von Gaochang, sowohl der Aristokraten, als auch der Bürgerlichen, der Bauern, Händler, Offiziere und Beamten. Hier setzten die Bürger der Stadt Gaochang über einen Zeitraum von 500 Jahren (273 - 778) ihre Toten bei. Unter den freigelegten 456 Gräbern wurde das Grab des Königs von Gaochang nicht gefunden. Da die Gräber viele Beilagen enthalten, sind die historischen Gräber von Astana-Karakhoja auch Teil des Untergrund-Museums von Turfan und werden als historische Aufzeichnungen des Lebens in Gaochang bezeichnet.

Die Gräber erstrecken sich über eine Fläche von 5 km in Ost-West-Richtung und 2 km in Nord-Süd-Richtung. Schotter-Grenzen trennen Familien-Gräber voneinander ab. Die paternale Anordnung der Familien-Begräbnisse wurde strikt eingehalten, ähnlich dem System im Hexi-Korridor (in der heutigen Gansu Provinz) und sogar dem in Zentral-China. Generell wurden Ehemann und Ehefrau zusammen beerdigt. In einigen Fällen ist ein Mann begleitet von zwei oder drei Frauen.



Ein über 10 m langer Abstieg führt jeweils in die etwa 10 m2 große Grabkammer. Eine Kammer liegt etwa 6 m unter der Oberfläche und ist etwa 2 m hoch. Sie hat eine ebene Decke oder ist mit einer Kuppel ausgestattet. Die Toten liegen im hinteren Teil der Kammer auf einem irdenen oder hölzernen Bett. Sie hielten Holz in beiden Händen und trugen Baumwoll-, Leinen- oder Seide-Kleidung. In ihren Mündern haben sie wertvolle Gegenstände wie Gold oder Jade; dies ist eine chinesische Tradition. Sie sind umgeben von Miniatur-Pavillons, Pferden und Karren, Paraden, Musikinstrumenten, Schachspielen, Stiften und Tinte, Weintrauben, Melonen, Teigtaschen und Pfannkuchen. All das soll von den Toten in einer anderen Welt verwendet werden. Aufgrund des ariden Klimas sind diese Relikte sehr gut erhalten. Die Teigtaschen sind die gleichen wie heute, und die Füllung ist so intakt als wäre sie frisch. Wände mit lebhaften Bildern von Menschen, Tieren, Blumen, Bergen und Flüssen dekorieren einige Kammern. Ein Gemälde mit Frauen, die Schach spielen, illustriert das glückliche Leben der Aristokraten in der frühen Tang Dynastie (618 - 907).

Unter den mehr als 10.000 ausgegrabenen Relikten sind über 2.700 Bücher, Totengedichte, Gemälde, Ton-Figurinen sowie Töpfer-, Gold-, Holz- und Steinwaren, historische Münzen, Seide- und Baumwolltextilien. Die in den Büchern aufgezeichnete Zeit umfasst die Jahre 273 - 772. Die meisten Gräber werden dem Han-Volk zugeordnet, aber auch ethnische Gruppen der Chesi, Turk und Hun sind vertreten. Die Grab-Strukturen und Anlagen zeigen zwar, dass das Han-Volk in der Mehrheit war, aber alle Nationalitäten erfreuten sich Gleichheit. Es ist bemerkenswert, dass die hiesigen Mumien in Qualität und Quantität sehr vergleichbar sind mit den ägyptischen Mumien. Darunter befinden sich wertvolle Exemplare für die Anthropologie, Geschichte, Medizin und Ethnologie.

Drei der Gruften sind heute der Öffentlichkeit zugänglich. Im ersten Grab (Tang Dynastie 618 - 906) ziert ein Wandbild, das wie ein Paravent in sechs Abschnitte unterteilt ist, die Stirnseite der Kammer. Es stellt die konfuzianische Philosophie dar.

Im linken Abschnitt ist ein kugelförmiges Gefäß gezeigt, das so genannte Qi. In historischer Zeit wurde es von den Schülern auf die Seite des Schreibpultes gestellt. Wurde es mit Wasser in ausreichender Menge gefüllt, war die Kugel ausbalanciert. Wurde zu viel Wasser eingefüllt, kippte es um. Es sollte die Schüler am richtigen Umgang mit Geldmitteln erinnern.

Im ganz rechten Abschnitt sind ein Rolle Seide, ein Ton-Krug als Sparschwein und ein Bündel Gras dargestellt. Diese Symbole sind literarische Zitate aus „Miscellanea of Xijing“. Als in der Han Dynastie Gong Sunhong von Han Wudi, dem 5. Kaiser, zum Hauptminister ernannt wurde, sandte Zou Chang-qian seinem Freund Gong Sunhong ein Bündel grünes Gras, eine Rolle Seide und einen Tonkrug als Geldgefäß als Geschenke. Und er wünschte, dass Gong hiervon lernen könnte. Das Bündel grünes Gras bedeutet, dass die Menschen von einem guten Pferd lernen können, das weiß, sich einen guten Herrn zu wählen und sich dabei über die Behandlung keine Gedanken macht. Ein Seidenfaden ist sehr dünn. Aber seine Wirksamkeit wird sehr bedeutend, wenn er zu einer bestimmten Menge zusammengeballt ist. Das töpferne Sparschwein hat einen Eingang, aber keinen Ausgang. Wenn es gefüllt ist, muss es zerbrochen werden. Das bedeutet, dass ein Beamter nicht korrupt sein darf und Wohlstand nicht mit hohen Steuern erlangen darf.

In den vier mittleren Kompartimenten sind vier verschiedenfarbige männliche Gestalten abgebildet. Sie verkörpern in konfuzianischer Tradition die einzelnen Lebensabschnitte eines Menschen. Von links nach rechts tragen die ersten drei Männer je ein Schriftzeichen auf der Brust, nämlich für Jade, Gold und Stein. Der rechte Mann trägt kein Schriftzeichen. Der Jademann symbolisiert die Jugend, in der der Mensch rein sein soll wie Jade. Der Goldmann repräsentiert das mittlere Lebensalter, in dem man lernen und nicht sozial agieren soll. Dem Goldmann ist der Mund dreifach verbunden. Das bedeutet, dass ein Mensch in seinem Verhalten vorsichtig sein soll, „Schweigen ist Gold“. Der Steinmann steht für die Reife; mit erhobenen Armen und offenem Gesicht signalisiert er, dass man sich in diesem Lebensabschnitt gesellschaftlich engagieren und Gelerntes weitergeben soll. Der Mann rechts außen trägt keine Schriftzeichen, er wird als der hölzerne Mann bezeichnet und symbolisiert das Alter, in dem der Mensch Ausgeglichenheit und innere Ruhe erlangt haben soll.

Das zweite zu besuchende Grab stammt aus der gleichen Epoche und zeigt Wandmalereien von Blumen und Vögeln. In diesem Grab lag die Mumie des bekannten Gaochang-Generals. Sie ist 1,90 m groß mit sehr gut erhaltenen Barthaaren und Kleidung. Ausgestellt ist sie heute im Museum von Urumqi. Die Wandmalereien sollen ausdrücken, wie sehr der General seine Heimat vermisste. Denn er war aus Südchina eingeladen gewesen. Und dort findet man genau die Blumen und Vögel, die auf der Wandmalerei in seinem Grab zu sehen sind.



Im dritten Grab hat man Mumien eines Mannes und einer Frau unter Glas ausgestellt. Im extrem trockenen Wüstenklima von Turfan sind die Leichname kaum verwest und auf natürliche Weise mumifiziert. Die Haut der Toten hat sich lederartig verhärtet.

Zu diesem Areal der Gräber von Astana gehört auch das neben dem Gräberfeld befindliche Besucherzentrum, das ein wenig auf die chinesische Mythologie eingeht. Von der Besichtigungsplattform eines tempelartigen Gebäudes hat man einen guten Überblick auf das Gräberfeld und auch auf die flammenden Berge. Auf diesem Areal befindet sich ebenfalls ein Platz, der umgeben ist von zwölf steinernen Figuren, die die zwölf chinesischen Tierkreiszeichen darstellen.



Auch eine große Statue befindet sich hier. Im chinesischen Glauben handelt es sich um die ersten Menschen wie Adam und Eva im christlichen Glauben. Es gab einmal eine große Flut, bei der jeder und alles starb und die Flut alles zerstörte. Nur ein Geschwisterpaar überlebte, das dann heiratete, um die zukünftigen Generationen abzusichern. Aber dafür wurden sie vom chinesischen Gott bestraft, indem er ihre untere Körperhälfte schlangenartig umwandelte.



Es ist schade, dass der optische Eindruck dieses gesamten Areals nicht die kulturhistorische Bedeutung der Gräber von Astana wiedergibt. Dafür macht dieses Areal optisch einen zu unscheinbaren Eindruck. Das lässt sich aber auch nicht ändern, es würde die Geschichte dieses Gebietes verbiegen, wenn man das Areal optisch aufpeppen würde. Erst im Nachgang, als ich beim Schreiben dieses Berichtes intensiv über die Gräber von Astana recherchiert habe, ist mir die Bedeutung dieses Ortes richtig bewusst geworden. Würde ich die Gräber von Astana noch einmal besuchen, würde ich sie mit meinem heutigen Wissen ganz anders „sehen“.

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