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 | Sonnenfinsternisse |
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SoFis in der Mythologie
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Wer schon einmal eine totale Sonnenfinsternis beobachtet hat, kann sich vorstellen, wie Kulturvölker heute oder sogar Zivilisationen in zurückliegenden Zeiten auf dieses emotional tief ergreifende Ereignis reagierten.
Wie Wissenschaft und Mythologie oder wie wir nun besser sagen wollen, Religion nebeneinander bestehen können, wird nirgendwo deutlicher als in Adalbert Stifters großartiger Beschreibung der Sonnenfinsternis vom 8. Juli 1842. Der ausgebildete Naturwissenschafter, der, wie er mit Stolz erklärt, auch die nötigen Berechnungen selbst vorgenommen hatte, erlebte beim Blick durch seine "Sehröhre" etwas, was er rechnend und zeichnend nicht vorausahnen konnte: "Nie und nie in meinem ganzen Leben war ich so erschüttert (…) wie in diesen zwei Minuten es war nicht anders, als hätte Gott auf einmal ein deutliches Wort gesprochen, und ich hätte es verstanden." Das äussere, physikalische Erlebnis löst ein inneres aus, weil und das ist nun die Position des religiösen Menschen Kosmos und Mensch in der Schöpfung von Anfang an aufeinander bezogen sind: "(…) ein solcher Komplex von Erscheinungen ist mit diesem einfachen Dinge verbunden, eine solche moralische Gewalt ist in diesen physischen Hergang gelegt, dass er sich unserem Herzen zum unbegreiflichen Wunder emportürmt." Dies gerade dort zuzulassen, wo wir alles erklären können, macht uns frei gegenüber den Allmachtsanspruch der Wissenschaft wie gegenüber Einschränkungen durch eine überholte Mythologie.
"Es war der Moment, da Gott sprach und die Menschen zu schweigen hatten", schrieb Adalbert Stifter. Keine Frage, die plötzliche Dunkelheit mitten am Tag ist ein einschneidendes Erlebnis. Die Vögel hören auf zu zwitschern, die Grillen auf, zu zirpen, alle Tiere verstummen, der Himmel verfärbt sich in gespenstischen Farben und ein kalter Wind kommt auf. Zu allen Zeiten hat das die Menschen stark beeindruckt, ganz besonders, als die Gesetze der Himmelsmechanik noch nicht verstanden wurden.
Unterbricht die Sonne plötzlich ihren Lauf am Firmament, dann scheint nichts mehr, wie es war - kein Gesetz ist mehr gültig. Angst, das war es, was eine Finsternis auslöste. Die meisten Mythen und Legenden über die Sonnenfinsternis handeln vom Kampf von Gut und Böse, also von einer Bedrohung, die abgewendet werden muss. In Afrika existieren ungezählte Erklärungen, wie es zu diesem Ereignis kommt. In Simbabwe zum Beispiel berichten die Dorfältesten, dass die Sonne während der Finsternis verfault und sich neu erschafft. Unweit in Malawi heißt es, dass sie zu diesem Zeitpunkt gereinigt wird. Bei den Azteken, so berichten es die Archäologen, war die Sonne eine Schutz-Gottheit, die sich unentwegt im Kampf mit dem Bösen befand. Wenn sich die Sonne verfinsterte, war ihre Gottheit den dunklen Mächten unterlegen, hatte sozusagen einen Schwächeanfall, und Dämonen würden auf der Erde ihr Unwesen treiben. Um ihre Gottheit wieder zu stärken, bedurfte es Menschenblut, sprich Menschenopfer. In China glaubte man, der große Drache des Chaos würde die Sonne verschlingen, wenn sie sich verdunkelte. Die Menschen müssten Lärm machen, damit dieser den Himmelskörper wieder ausspucken würde.
Die wohl schönste Geschichte, vollkommen ohne Angstvorstellungen, erzählt man sich auf Tahiti: Während der Sonnenfinsternis seien Sonne und Mond im Liebesakt versunken und können deswegen nicht mehr scheinen. Das Ergebnis einer jeden Liebe sind Kinder - in diesem Fall kleine Sterne, die vorher nicht zu sehen waren. Verdunkelt sich die Sonne total, dann können Sterne beobachtet werden, die normalerweise von dem viel helleren Himmelskörper überstrahlt werden.
Heutzutage schreckt das Naturphänomen nur noch wenige, vor allem die Naturvölker. Eher führt eine Sonneninsternis heute zu Massenaufläufen und einer "SoFi-Hysterie". Die Astronomie ist in der Lage sekundengenau vorherzusagen, wann die Sonne mit dem Scheinen aufhören wird und das auch Tausende von Jahren in die Vergangenheit und in die Zukunft.
Die erste vorhergesagte Finsternis ist allerdings schon lange her: Am Vormittag des 28. Mai 585 v. Chr sollte eine Sonnenfinsternis in die Annalen eingehen sollte. Dem berühmten griechischen Mathematiker Thales von Milet war es nämlich gelungen, diese Sonnenfinsternis vorherzusagen. Er errechnete erstaunlich präzise die Bahn des Mondes und die Ursache für die Dunkelheit, seine Position zwischen Erde und Sonne. Seine Folgerung: Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wird eine Finsternis alle 18 Jahre und 11 1/3 Tagen vorkommen. Auch die Babylonier sollen diese Erkenntnis schon durch genaue Beobachtung erhalten haben, sie konnten nur nicht sagen, wo die Bahn des Schattens verläuft. Sie variiert nämlich um 1000 Kilometer nördlich oder südlich - manchmal trifft der Schatten auch gar nicht die Erde.
Doch das Wissen gingt im frühen Mittelalter wieder Verlohren, die Menschen in Europa blieben auch im Mittelalter meist seltsam gefasst, wenn sich das Schauspiel ereignete, denn sie hatten den Glauben. Das hört sich abwegig an, doch wenn man sich vergegenwärtigt, dass den Juden und Christen die Sonne in religiösen Belangen ziemlich gleichgültig war, macht es Sinn. Gott sagte, es werde Licht - und er stellte eine "Lampe" ans Firmament. Früher war die Sonne ein Gott, in den beiden monotheistischen Religionen ist die Sonne lediglich eine "Lampe". Wenn die mal flackert, dann ist das nicht so schlimm. Nur islamische Gelehrte empfehlen spezielle Gebete für das Ereignis. Die Sonnenfinsternis sei ein Zeichen Allahs.
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Berühmte SoFis
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3000 B.C
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Die chinesichen Hofastronomen Hi und Ho wurden zum Tode verurteilt, weil sie eine Sonnenfinsternis nicht vorhergesagt haben. In der Literatur wird diese Geschichte manchmal auch umgekehrt erzählt: Daß sie ihr Leben verwirkten, weil sie eine Finsternis vorhergesagt hatten, die aber nicht eintraf.
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1223 B.C.
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Der älteste Hinweis auf eine Sonnenfinsternis in Babylonien findet sich in einem Keilschrifttext aus der Stadt Ugarit. Durch Rückrechung konnte man sie auf den 5. Mai 1223 B.C. festlegen. Systematische Aufzeichungen der Ereignisse gab es damals noch nicht, sie beginnen erst im 8. Jh. B.C.
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585 B.C.
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Zu den berühmtesten Kriegsschlachten gehört diejenige zwischen den Lydern und den Medern, während der sich eine Sonnenfinsternis ereignete. Beide Seiten glaubten, dass die Götter ihnen zürnten und schlossen daraufhin Frieden.
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A.D. 33
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Laut biblischer Überlieferung soll sich die Sonne verfinstert haben, als Jesus gekreuzigt wurde. Die kalendarischen und astronomischen Umstände legen jedoch nahe, daß eine Mondfinsternis eher als Erklärung in Frage kommt. Diese kann man dazu benutzen, um das Kreuzigungsdatum zu datieren.
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570
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Im weitläufigen Zusammenhang mit dem Propheten Mohammed ranken sich gleich 3 Sonnenfinsternislegenden: In den Jahren 570, 632 und 661. Obwohl der Islam die Interpretation solcher Omina ablehnt, ist die Angst vor dem plötzlichen Verschwinden des Sonnenlichts so tief verankert, daß das Handeln in eine neue Richtung gelenkt worden ist.
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1453
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Während der Belagerung Konstatinopels durch die Türken wurde die eingeschlossene Armee schwer gebeutelt. Ihre Laune wurde von einer alten Prophezeiung gehalten, die besagte, daß Konstatinopel nie bei zunehmendem Mond fallen würde. Doch ein Vollmond entwickelte sich zu einer Mondfinsternis und zerstörte die Moral der Byzantiner und beschleunigte den endgültigen Fall des römischen Weltreiches.
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1504
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Auf seiner vierten und letzten Reise in die Neue Welt diente eine Mondfinsternis Christoph Kolumbus für zwei Zwecke: Einerseits um eine genaue Standortbestimmung durchzuführen, andererseits um von den abergläubischen Eingeborenen Unterstützung einzufordern.
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