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Der bekannte englische Astronom Sir Arthur Eddington hatte einmal gesagt: "Wenn ich jemals auf einem anderen Planeten zu Gast sein sollte, so könnte ich mit der Größe meines Heimatplaneten nicht allzu viel Staat machen; mit unserem Mond allerdings würde ich vermutlich etwas prahlen."
Was ist denn überhaupt ein Mond? Unser Fixstern, die Sonne, wird von neun Hauptplaneten umkreist, die damit in der Hierarchie des Weltalls Himmelskörper zweiter Ordnung sind. Wenn wir von Venus und Merkur absehen, so besitzen alle diese Planeten so genannte Satelliten, d.h. Himmelskörper dritter Ordnung. Sie beschreiben Bahnen um ihren jeweiligen Hauptplaneten und begleiten ihn bei seiner Reise um die Sonne. Die Abstände zwischen den Monden und ihren Hauptplaneten sind einige hundert- oder tausendmal kleiner als die Entfernungen der Planeten von der Sonne. Auch sind die Monde durchweg sehr viel kleiner als die Planeten, zu denen sie gehören.
Mit seiner Bemerkung wollte Eddington mit typisch angelsächsischem Humor darauf hinweisen, dass die Erde im Verhältnis zu ihren eigenen Dimensionen unter allen anderen Planeten mit Abstand den größten Mond besitzt. Das soll nicht heißen, dass unser Mond der größte im ganzen Planetensystem sei. Unter den zig Monden, die sich mit ihren Planeten um die Sonne tummeln, gibt es drei, die noch etwas größer sind. Unser Mond hat einen Durchmesser von 3.476 km. Der größte Mond des Jupiter, Ganymed, der größte Mond des Saturn, Titan, und der größte Mond des Neptun, Triton, sind alle größer, wenn auch nur um ein paar hundert Kilometer. Neben diesen Riesenplaneten erscheinen jedoch auch diese großen Monde zwergenhaft klein. So ist der Durchmesser des Neptun ungefähr elfmal so groß wie der seines Mondes, während der Saturn seinen größten Mond um das Vierundzwanzigfache und Jupiter seinen größten Mond sogar um das Achtzigfache übertrifft. Die Erde hingegen ist nur knapp viermal größer als ihr Mond.
Noch auffälliger werden diese Verhältnisse, wenn man die Massen der Planeten mit ihren größten Monden vergleicht: Neptun ist siebenhundertmal massereicher als Triton, Saturn viertausendmal massereicher als Titan, und Jupiter übertrifft Ganymed fast um das Dreizehntausendfache an Masse. Unsere Erde dagegen ist nur einundachtzigmal massereicher als unser Mond. Wie wir sehen, gibt es ein solches Masseverhältnis zwischen Hauptkörper und Mond in unserem ganzen Planetensystem nicht noch einmal. Wir können daher das System Erde-Mond geradezu als einen Doppelplaneten bezeichnen. Dazu sind wir umso mehr berechtigt, wenn wir daran denken, dass der kleinste der Hauptplaneten in unserem System, der Merkur, mit seinem Durchmesser von etwa 4.850 km nur etwa tausend Kilometer größer ist als unser Mond.
Hinzu kommt noch, dass unser Mond seinem Hauptplaneten, der Erde, sehr nahe steht. Im Schnitt beträgt seine Entfernung 384.000 km. Die großen Monde des Jupiter und des Saturn dagegen umkreisen ihre Planeten in Entfernungen von über einer Million Kilometer. Trotz ihrer Größe erscheinen sie daher, von ihrem Planeten aus gesehen, als winzige Scheibchen - kleiner als ein Cent neben einer Zwei-Euro-Münze, im Vergleich zu unserem eigenen Mond, von der Erde aus gesehen. Lediglich der Mond des Neptun hat einen vergleichbaren Abstand von seinem Hauptplaneten, so dass Triton von Neptun aus gesehen unserem Mond am irdischen Himmel einigermaßen Konkurrenz machen kann. Da Neptun jedoch dreißigmal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, ist die Triton-Scheibe am Himmel des Neptun fast tausendmal lichtschwächer als unser Mond. Wenn also von Monden die Rede ist, dann haben wir Erdbewohner mit Abstand das Prachtstück. An keinem anderen Planetenhimmel hängt eine so große und fast blenden helle Scheibe, wie wir sie in jeder klaren Vollmondnacht bewundern können.
Unser Mond ist auch der einzige, den man von fremden Planeten aus mit bloßem Auge beobachten könnte. Die Monde aller anderen Planeten können mit dem freien Auge nur gesehen werden, wenn man sich auf dem jeweiligen Hauptplaneten selbst oder in dessen Nähe befindet. So sind die größten Jupitermonde erst von Galilei mit seinem selbstgebauten Fernrohr entdeckt worden. Mit dem freien Auge sieht man sie nicht - es sei denn, man verfügt über außergewöhnlich scharfe Augen und weiß, wo man sie zu suchen hat. Unser Mond dagegen ist von Nachbarplaneten aus ganz leicht zu erkennen. Das werden uns zukünftige Astronauten bei ihren ersten Besuchen auf dem Mars und auf der Venus bestätigen können. Von der Venus aus bietet unser Doppelplanet einen der schönsten Anblicke, den es an den Himmeln der Planeten unseres Sonnensystems überhaupt gibt. In der günstigsten Position erscheint die Erde von der Venus aus etwa zehnmal heller als die Venus von der Erde aus betrachtet. Dabei ist unser Abend- und Morgenstern mit Abstand das hellste Objekt unter den Sternen und Planeten am Himmel, den man sogar bei Tag sehen kann. Von der Venus aus gesehen erscheint unsere Erde wie ein funkelnder blauer Diamant. Der Mond steht etwa um die Breite einer Vollmondscheibe daneben, und er ist immer noch so hell wie Sirius, der hellste Fixstern des Himmels. Dieser prachtvolle Anblick wird in unserem ganzen Sonnensystem nur durch die Ringe des Saturn übertroffen, die mit ihrer mathematischen Ästhetik unerreicht sind.
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